Wie lang sollte eine Motorradtour in den Alpen sein?
Die Frage nach, wie viele Kilometer lang, und wie viele Stunden dauern, sollte ein Ein-Tages-Motorradtour in den Alpen, ist nicht kurz und in wenigen Worten zu beantworten.
Denn, zu viele Faktoren können die Tour beeinflussen. Da ist die Frage nach dem Können, der Ausdauer, dem Typ von Motorrad und nicht zuletzt auch nach der Gestaltung der Tagestour. Willst Du zum Beispiel Motorradfahren und, allgemein zusammengefasst, Sightseeing einplanen?
Das Entscheidende ist aber, in welcher Region der Alpen bist Du unterwegs.
Antworten jetzt hier.
Eine Faustregel – von uns, mit vielen Jahren Erfahrung in den unterschiedlichen Alpenregionen – festgelegt, lautet: 300 Kilometer sind in den Alpen durchschnittlich machbar.
300 Kilometer, vorausgesetzt, Du fährst auf Asphalt, bedeuten etwa 7 Stunden, ebenfalls durchschnittliche Fahrzeit. So bleiben für den Tag gut zwei bis drei Stunden für Pausen, vor allem Trinkpausen, und Sightseeing.
Welche Faktoren beeinflussen die durchschnittliche Fahrzeit in den Alpen?
Allen voran haben die geographischen Faktoren Auswirkung auf Dein gesetztes Tagesziel.
Steile, enge und kurvige Alpenpässe:
• Es gibt Regionen, wo die Alpen nur schmale Strecken, steile Strecken und zudem nur kleine, enge Radien für die Kurven zulassen.
Wie zum Beispiel im Grenzgebiet zwischen Slowenien, Kärnten (Österreich) und dem Friaul (Italien). Alpenpässe wie der Passo del Cason di Lanza, der Monte Zoncolan, der Paulitschpass, der Hochobir, der Vrsic-Pass, der Passo Rest, und einige mehr haben immer wieder kurvige, enge und auch steile Passagen.
Ein weiteres Beispiel sind die südöstlichen Alpenausläufer mit Alpenpässen teilweise unterhalb der 1000-Meter-Marke. Dennoch braucht es Zeit diese Strecken zu fahren. Beispiel: Forcella di Pala Barzana oder der Passo San Boldo.
• Neben vielen Einzelfällen in Regionen, die eher weitläufige Alpenpässe beheimaten, wie Les Martinaux im Wallis, oder das Gebiet rund um den Col de Turini in den französischen Seealpen, oder auch der Colle d’Oggia, Beispiel für Alpenpässe in Ligurien, sind abschließend noch Regionen in den französischen Alpen zu nennen
• Französische Alpen, Beispiele:
Extrem zeitraubend sind einige Alpenpässe rund um das Tal Saint-Maurienne. Alpenpässe wie Col du Sapey, Col du Chaussy oder Col de la Confrérie bieten viel Kurvenspaß auf kurzen Strecken, nehmen aber dementsprechend viel Zeit in Anspruch.
Als ein weiteres und letztes Beispiel ist eine Region im Grenzgebiet in den französischen Westalpen zu nennen. Hier sind die italienischen Rampen der Grenz-Pässe Col de la Lombarde und Col d’Agnel zu nennen. Sie sind ebenfalls steil, eng, kurvig und daher zeitraubend. Etwas südlicher, komplett in Italien, Piemont gelegen sind die Alpenpässe Colle Fauniera, Colle d’Esischie und Colle di Sampeyre würdige Vertreter der, im positiven Sinne zu verstehende „Zeitfresser“.
In den wenigsten Fällen berücksichtigt ein Navigationsinstrument Strecken dieser Art. Das Resultat ist dann ein extrem langer Motorradtouren-Tag, der zudem kräftezehrend sein kann.
Große Dichte an Alpenpässen:
In einigen Regionen der Alpen liegen die Alpenpässe so dicht beieinander, dass der Tourverlauf permanent entweder hinauf oder hinunter führt. Auch hier haben wir in all den Jahren im wahrsten Sinne des Wortes „erfahren“, dass bei durchschnittlich 300 Kilometern nicht mehr als 10 Alpenpässe eingeplant werden sollten. Sind dann auch noch schmale, enge und kurvige Alpenpässe auf der Liste der geplanten Motorradtour, kann sich die Fahrzeit schnell auf 10 Stunden verlängern.
Typische Beispiele sind die Alpenpässe in den Dolomiten, Regionen im Dreiländereck „Friaul/Kärnten/Slowenien“, aber auch in der Zentralschweiz mit Alpenpässen wie Oberalppass, Sankt Gotthard, Furkapass, Grimselpass, Oberaar Panoramastraße, Nufenenpass …
Weitere konzentrierte Ansammlungen an Alpenpässen sind bei der Tourenplanung mit unserem Tourenplaner „Alpenpässe-Atlas“ gut zu erkennen.
Ein weiterer, erhebliche Auswirkungen erzielender Faktor auf die Gesamtzeit Deiner Motorradtour ist der Verkehr.
Mehr denn je ist der Verkehr in großen Tourismus-Regionen der Alpen zu berücksichtigen. Zu den Motorradfahren kommen die vielen Camping-Mobile, die auch immer länger werden, die Wohnwagen-Anhänger, die Oldtimer-Fahrer und vor allem die stetig zunehmende Anzahl an Fahradfahrern aller Varianten, vom E-Bike über das Mountain-Bike bis zum Rennrad. Alle wollen, und das mit unterschiedlichem Tempo, die Alpenpässe rauf und wieder runter. An Feiertagen und in Urlaubszeiten sind zudem extrem viele Autofahrer unterwegs. Vor allem italienische Autofahrer sind gerne für Kurzausflüge in einigen Alpenregionen konzentriert unterwegs.
Italienische Feiertage, Urlaubszeiten und Wochenenden bedeuten selbst für Motorradfahrer lange Staus, und nicht nur auf den Zufahrtsstraßen. Hochburgen sind die Dolomiten, vor allem die Sella-Runde, zudem Südtiroler Alpenpässe entlang der Weinstraße (Mendelpass, Passo Tonale …), durch das Vinschgau (Stilfserjoch, Reschenpass …) im weiteren Timmelsjoch, Jaufenpass, Brennerpass …
In der Lombardei steht man gerne im Bereich des Forcola di Livigno, Pass d’Eira und Passo di Foscagno im Stau.
In der Schweiz sorgen die Klassiker wie der Sankt Gotthardpass, der Grimselpass, der Furkapass, der Malojapass, der Splügenpass oder der San Bernardino für Gedränge.
Auch Deutschland (Riedbergpass) und Slowenien (Vrsicpass, Mangart, Predilpass, Loiblpass …) haben verkehrsreiche Gegenden. Vor allem in Slowenien hat der Urlauberverkehr mit Camping-Mobilen in den letzten Jahren erheblich zugenommen.
Und Österreich bietet mit Panoramastraßen wie der Großglockner Hochalpenstraße, der Nockalmstraße Anlass zu Stau. Aber auch das Hahntennjoch, die alte Brennerstraße oder der Fernpass sollten an Feiertagen, Urlaubstagen und Wochenenden nicht unbedingt Teil einer Motorradtour sein.
Es sei denn, Du bist früh unterwegs. Dann ist fast jeder Alpenpass frei zu befahren. Und zwischen Sonnenaufgang und etwa 10 Uhr morgens lassen sich schon viele Kilometer zurücklegen. Und noch ein Vorteil: Ein Sonnenaufgang von einem Alpenpass aus zu erleben ist einmalig und wird ewig in Erinnerung bleiben.
Zu diesen Hauptverkehrszeiten gibt es aber genügend Alternativen, die kaum oder keinen Einfluss auf die Fahrzeiten haben. In den südwestlichen französischen Alpen gibt es mehr als zwei Dutzend Alpenpässe, wie de Pas de la Graille, die viel Fahrspaß bieten und wenig Verkehr. Die südlichen slowenischen und italienischen Alpenpässe gehören ebenfalls dazu. Und natürlich ein Teil der Westalpen, da hier die Alpenpässe in großer Anzahl für reichlich Auswahl sorgen, die Rampen meistens breit und weitläufig sind, und, auf Grund der geographischen Lage, grundsätzlich weniger Touristen unterwegs sind.
Fahrzeug, Fahrkönnen, Konstitution, Pausen und Verpflegung sind die Basis für die angegebene durchschnittliche Anzahl an Kilometern, Zeit und Alpenpässen.
Hier musst Du Dich selbst einschätzen. Aber dennoch haben wir einige Tipps die hilfreich sein können, vor allem wenn Du noch nie in den Alpen unterwegs warst.
• Voraussetzung ist, dass Dein Fahrzeug die durchschnittliche Geschwindigkeit hinunter, wie auch den Alpenpass hinauf meistert. Untermotorisierung ist in den Alpen, mit manchmal Steigungen bis zu 18 Grad, ein wahrer „Zeitfresser“. Aber das weißt Du sicherlich.
• Dein Fahrkönnen sollte sich nicht nur auf lange Geradeausfahrten mit gelegentlichen Kurven beschränken. Die Kombination von Steigung und Kurven bis hin zu engeren Kehren sollte geübt und beherrscht werden. Auch klar.
• Denn sonst kommt der nächste Faktor erheblich ins Spiel, die Konstitution. Kurven, Steigungen, Bergab-Passagen, Bremsen und Beschleunigen in permanenter Abwechslung kosten Kraft. Erst recht, wenn wenig Übung vorhanden ist. Selbst geübte Sportler unterschätzen, wie viel Kraft im Bereich der Arme, Brust und Rücken bei 300 Kilometer-Motorradtouren mit 10 Alpenpässen aufzuwenden ist. Das macht müde.
• Daher sind ausreichend Pausen, vor allem an heißen Tagen unerlässlich. Die Sonne ist bei ausreichend Fahrtwind, in ihrer Kraft und Auswirkung, häufig nicht zu spüren. Der Körper trocknet, obwohl kaum Schweiß sichtbar, schnell aus.
• Verpflegung ist ebenfalls ein Faktor. Vor allem sollte immer genügend Flüssigkeit mitgenommen werden – und immer rechtzeitig aufgefüllt werden. Es gibt viele Regionen in den Alpen, wo über eine größere Distanz keine Einkaufs- und dementsprechend auch keine Tank-Möglichkeiten vorhanden sind.
Trinken, am besten Wasser ist extrem wichtig. Eine häufige Ursache für Unfälle ist eine nicht bemerkte, weil kaum vorstellbare, Dehydrierung.
Und jetzt: Viel Spaß beim planen Deiner Motorradtour, am besten mit unserem Tourenplaner, dem Alpenpässe-Atlas.
Zu jedem Alpenpass bekommst Du zudem wichtige Infos und Fakten, die den Alpenpass ausmachen, plus Bilder und Videos und, tagesaktuellen Wetterbedingungen.
